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04.04.2018

Was ist eigentlich ein "Netzengpass"?


Foto: Gwoeii/shutterstock.com

Gelangt Strom vom Erzeugungsort nicht zum Verbraucher, weil das Stromnetz überlastet ist, spricht man von einem Netzengpass. Aber wie genau entsteht er überhaupt? Und noch wichtiger: Wie lässt er sich wieder beheben? Hier erfahren Sie es.

Darum geht’s: Strom wird im Zuge der Energiewende zunehmend über weite Strecken transportiert. Da der Ausbau des Stromnetzes nur langsam vorangeht, stößt das Netz immer häufiger an seine Grenzen. Es kommt zu Transportschwierigkeiten – den sogenannten Netzengpässen.

Wenn man in einen Trichter wenig Wasser hineinschüttet, läuft unten genau dieselbe Menge fast zeitgleich wieder heraus. Schüttet man oben jedoch viel Wasser hinein, kommt unten nach wie vor nur die Menge Wasser heraus, die durch das schmale Ende des Trichters hindurchpasst. Wenn man viel Zeit hat, um zu warten, bis das ganze Wasser durch den Trichter gelaufen ist – kein Problem! Wenn aber am unteren Ende dringend jemand auf das Wasser wartet, wird die ganze Sache eben doch zum Problem.

Wenn das Stromnetz zum Trichter wird

Das Beispiel mit dem Trichter lässt sich – stark vereinfacht – auf unser Stromnetz übertragen. Zum Beispiel produzieren Windkraftanlagen in Norddeutschland vor allem in den stürmischen und kalten Monaten viel Strom. Den wiederum können Industriezentren in Süddeutschland genau dann, wenn es früh dunkel wird und die dort stark verbreiteten Solaranlagen wenig Strom produzieren, gut gebrauchen. Das Stromnetz zwischen Nord und Süd ist derzeit aber noch nicht überall stark genug, um den ganzen Strom einmal quer durchs Land zu transportieren.

Netzengpässe können aber natürlich auch von konventionellen Kraftwerken verursacht werden. Und sie treten nicht nur in großen Übertragungsnetzen auf, sondern auch in kleineren regionalen Netzen. In all diesen Fällen ist das Stromnetz wie ein Trichter: Egal wie viel man oben reinschüttet, unten kommt nur ein kleiner Teil davon an.

Mit einem gewaltigen Unterschied: Einem Trichter macht es nichts aus, wenn man oben viel reinschüttet. Dem Stromnetz schon. Bei einer Überlastung kann es Schaden nehmen, im schlimmsten Fall wären sogar Stromausfälle möglich. Denn das Stromnetz ist nur dann stabil, wenn sich Einspeisung und Entnahme genau die Waage halten. Deshalb sind die vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber gesetzlich verpflichtet, rechtzeitig einzugreifen, um solche Netzengpässe zu verhindern und eine sichere Stromversorgung im ganzen Land zu gewährleisten.

Zwei Maßnahmen, ein Ziel: sichere Stromversorgung für alle

Die wichtigste Maßnahme, die die Netzbetreiber derzeit ergreifen, ist der sogenannte Redispatch. Dabei werden Kraftwerke vor dem Netzengpass heruntergefahren, um zum Beispiel die erzeugte Strommenge im norddeutschen Netz zu verringern. Parallel werden Kraftwerke hinter dem Netzengpass hochgefahren, um den erhöhten Strombedarf im Süden zu decken.

Für den Redispatch stellen zum einen Kraftwerksbetreiber täglich entsprechende Kapazitäten zur Verfügung, mit denen sie einspringen können; zum anderen mieten die Netzbetreiber Kraftwerkskapazitäten für außergewöhnliche Situationen langfristig an – die sogenannte Netzreservekapazität. Das Ganze funktioniert sicher und zuverlässig, führt aber zu zusätzlichen Kosten: Die Betreiber der einspringenden beziehungsweise angemieteten Kraftwerke erhalten jeweils eine Kostenerstattung. Diese Kosten, die 2016 bei 505 Millionen Euro lagen, werden über die Netzentgelte auf alle Stromverbraucher umgelegt.

Eine zweite wichtige Maßnahme ist das sogenannte Einspeisemanagement. Es erlaubt den Netzbetreibern, auch Erneuerbare-Energien-Anlagen und Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), die im Stromnetz eigentlich "Vorfahrt" genießen, kurzzeitig vom Netz zu nehmen, wenn der Strom aufgrund von Netzengpässen nicht zu den Verbrauchern abtransportiert werden kann.

Das betrifft vor allem Windparks: Sie wurden 2016 in über 90 Prozent aller vom Einspeisemanagement betroffenen Fälle vom Netz genommen. Auch hier haben die Betreiber dieser Anlagen Anspruch auf Entschädigung, für die die Stromverbraucher über die Netzentgelte aufkommen müssen – 2016 rund 373 Millionen Euro.

Allerdings: Abgeregelte Anlagen erhalten keine Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Kosten für das Einspeisemanagement fallen daher nicht zusätzlich, sondern anstelle der EEG-Kosten an. Als Ersatz für den abgeregelten Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen und KWK-Anlagen werden Kraftwerke hinter dem Netzengpass hochgefahren.

Die langfristige Lösung: leistungsfähige Stromautobahnen

Beide Maßnahmen sind nur kurzfristige Lösungen. Langfristig führt kein Weg am Netzausbau vorbei. Nur mit neuen leistungsfähigen Stromautobahnen von Nord nach Süd, die bereits in Planung sind, lassen sich Netzengpässe in Zukunft weitgehend vermeiden.

Auszuschließen sind sie aber auch dann nicht – mit Absicht. Es macht nämlich wirtschaftlich keinen Sinn, das komplette Stromnetz in Deutschland für die maximal handelbare Strommenge auszulegen. Das wäre zu teuer und außerdem ineffizient, weil dieser Fall der Fälle nur wenige Stunden im Jahr eintritt. Deshalb wird es auch weiterhin Eingriffe ins Stromnetz geben, um etwaige Netzengpässe zu beheben. Sie werden dann allerdings deutlich weniger Kosten verursachen als heute; und die bessere Alternative zu einem maximal ausgebauten Stromnetz sein.

Quelle: BMWi

www.bmwi-energiewende.de


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